ein Experiment

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rechts: Tante Bärbel

Ein paar Tage waren nun vergangen, womit ich mich mit dem Thema „Jacobsweg“ beschäftigt habe. Und wie gesagt: so richtig wandern war ich noch nicht. Um es zu testen, musste ein Ziel her. Wohin kann ich gehen? Erstmal ein paar Kilometer machen. Welches Ziel liegt in der Nähe? Es gibt ein nettes Lokal namens „Else am See“ – aber das liegt „nur“ 15km entfernt – das war mir irgendwie zu billig. Was könnte es sonst sein? Ah, „Pier 99“ in Nordhorn! Da war ich noch nie, soll aber auch sehr schön sein! Also: das wird mein erstes größeres Ziel! Laut google ca. 33km zu Fuß. Mmmhhh, doch ganz schon viel… Laufzeit ca. 6-7 Stunden… aber egal, das war mein Ziel! Mache ich es alleine? Nein, ich schreibe eine Nachricht in meine Verwandtschaftsgruppe und meine Tennisgruppe. Ich glaube, die meisten haben gedacht: die hat ein Rad ab… zurecht…. Ein paar Nachrichten hin- und her, stellte sich heraus, dass meine Tante Bärbel mich begleiten möchte! Gesagt, getan! Mitte Mai, an einem schönen Samstag, ging es vor meiner Haustüre los! Einen Tag vorher hatte ich mir noch eine Funktionshose gekauft! Ich war bestens gerüstet – dachte ich… Ich hatte sogar 2 kleine Dosen Sekt mitgenommen – zu Sekt sag ich ja quasi nie nein! Um 10.10 Uhr maschierten wir zügig los – eigt. war es sogar schon fast mein walking-Tempo. Da es zum Teil keine „richtigen Wanderwege“ nach Nordhorn von mir aus gab, müssten wir öfters schön an der Straße entlanglaufen – das war natürlich nicht so dolle. Nach den ca. ersten 10km merkte ich eine kleine Druckstelle an meiner rechten Verse… sollte es etwa eine kleine Blase werden? Und sah kurz nach – und ja, es war eine kleine Blase. Mist. Aber gut, war nicht so schlimm. Weiter gehts! Wir machen zügig Tempo. Mal direkt an der Hauptstraße, oder auch verlassenen Nebenstraßen, vorbei an schönen Bauernhöfen. Nach km 15 machten wir eine Pause, wir fanden doch noch auf einem langen Stück Straße mit vielen Bäumen ein Bank – herrlich! Wir saßen, aber Hunger hatte ich nicht – ungewöhnlich für mich. Aber noch ungewöhnlicher war es, dass ich keinen Sekt mochte! Nur Wasser bitte! 5 Minuten später machten wir uns wieder startklar! Auf gehts! Meine Verse meldet sich übrigens immer mehr und mehr, aber ich wollte weiter! Nachdem uns google weiter die Hauptstraße entlang schickte, machten wir dann doch einen Schlenker, und somit ein paar Kilometer mehr als geplant, aber dafür etwas ruhiger. Ausser, dass wir von sovielen Treckern an den Rand gedrängt wurden – war wohl Saison. Da meine Tante und ich keinen guten Orientierungssinn haben, musste mein Handy oft herhalten. Gleichzeitig hielt uns eine Freundin von mir im Auge, via App. Zwischendurch kam von ihr: „ihr seid auf dem richtigen Weg“ oder „ihr seid ja ganz schön zügig“ oder ich schrieb ihr „sind wir richtig?“ Also nicht „Big Brother is watching you“ sondern „Nadine is watching us“. Irgendwann, die letzten 10km brachen an, merkte ich, dass meine Waden sich muckten. Das taten sie sonst nie. In meinen Schuh hatte ich mittlerweile ein Taschentuch an die Blase gelegt. Wir machten unsere dritte Pause – und wieder verschmähte ich den Sekt. Tante Bärbel wollte aber wohl. Prost. Als wir uns von der Bank erhoben und weiter wollten, wollten meine Beine / Waden nicht – sie taten echt weh…. die ersten Meter ging ich etwas holprig – und das Tempo von anfangs war vergangen. Ich überlegt immer mehr und mehr, aufzuhören. Es waren nur noch 5-7 Kilometer. Ich wusste, ich schaffe es nicht mehr bis zum Schluss. Und es war mir egal, ob es jemand anders das doof oder lustig fand, dass ich „scheitern“ würde. Dann hörten wir aufeinmal Pferdehufen hintern uns! Ein Planwagen! Das wäre was! Ich sagte zu Tante Bärbel „wenn die nach Nordhorn fahren, springen wir auf!!!“. Der Planwagen kam näher und hatte feierlustige und ältere Leute an Bord! Der Mann ganz hinten an der Türe rief uns zu „Wollt ihr mit? Wir fahren zum Pier 99!“ Na, das ließ ich mir ja nicht 2x sagen! Wir liefen dem Planwagen hinterher, die Türe wurde uns schon geöffnet, ich hatte den Griff schon beinahe in der Hand, da ruckelte der Wagen und fuhr weiter – ohne uns! Der Kutscher hatte gar nicht mitbekommen, dass zwei blinde Passagiere mitfahren wollte und fuhr über die vielbefahrende Kreuzung weiter. Meine Tante musste sich über einen Kilometer mein Gefluche anhören – die Ärmste. Nur noch ein oder zwei Kilometer, aber ich laufe nicht mehr rund. Meine Waden schmerzten wirklich, und dabei habe ich vorher Magnesium genommen. Durch die schmerzenden Beine merkte ich den Schmerz in der Verse zum Glück nicht so. Vorbei am Tierpark, eben meinen Onkel anrufen, damit er sich auf den Weg macht um uns abzuholen und noch ca. 1 unglaublich langer Kilometer liegen noch vor uns. Ab hier schleiche ich eigentlich nur noch, ich muss für andere ein komisches Bild abgeben. Einmal um die Ecke biegen, und da ist es endlich: das Ziel – das Pier 99 ist endlich erreicht!  Ein Plätzchen gibt es auch noch für uns, obwohl es recht voll ist und das Wetter gut ist, sodass viele sonnenhungrige ein schönen Platz direkt am Vechtesee ergattern wollen. Kaum sitzen wir und haben uns verdienter Weise ein große Schorle bestellt, bekommen wir direkt Besuch! Der nette Herr, der uns mitnehmen wollte mit dem Planwagen! Er hat nach uns Ausschau gehalten uns uns entdeckt und wollte sich entschuldigen, dass es nicht geklappt hatte mit der Mitnahme. Als Trost gab er und zwei Sekt-Dosen, sehr nett. Er wunderte sich nicht schlecht, als wir ihm 2x bestätigen mussten, dass wir um 10.10 Uhr in Rheine angefangen hätten und nun, um 17.30 Uhr mit nur 3 kleinen Pausen nun endlich am Pier 99 angekommen seien. Mein Onkel löste den Herren ab und brachte uns dann nach Hause. Zuhause angekommen begutachtete ich erstmal meine Blase; war doch wohl etwas größer als gedacht. Aber ich war froh, es doch geschafft zu haben. Obwohl ich schon innerlich gedacht hätte, ich schaffe es nicht. Ich hatte an dem Tag übrigens nur gefrühstückt und in einer Pause einen Müsliriegel gegessen, abends war ich zu k.o. um mir was zu essen zu kochen und dann nahm ich mein Brötchen aus meinem kleinen Wanderrucksack, ich hatte zwischendurch ja keinen Hunger – aber jetzt kam es genau richtig! Der nächste Weg kann also kommen – aber diesmal mit Blasenpflastern und besseren Socken! Mal sehen, wohin es geht – hier in meiner Nähe gibt es auch Jacobswege oder auch der Hermannsweg. Und beim nächsten Mal werden es auch nicht 36 Kilometer, es darf diesmal gerne ein bisserl weniger sein!

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