Jetzt wird gepilgert…

Tag 2 und 3, erste und zweite Etappe, von St. Jean Pied de Port zur Auberge Orrison (ca. 8km) und am nächsten Tag dann von der Auberge Orrison über die Pyrenäen nach Roncevalles (ca 19 km)

Tag 2: Morgens um 6 ging mein Wecker, nach einer ganz guten Nacht. Ungewohnt im fremden Bett aufzuwachen und den Tag anders anzufangen wie sonst. In meiner Auberge Bayonne gab es ein kleines Frühstück mit Kaffee zum wachwerden und zugleich ein nettes Gespräch mit Catherine, der Herbergsfrau, die zufällig auch mal, wie ich, in Ibbenbüren zur gleichen Schule gegangen ist wie ich – was für ein Zufall! Von ihr bekam ich auch meinen ersten „Stempel“ (selbstgemalt) bekommen habe – sehr schön!


Mein Zug, nicht weit entfernt, ging um 7.45 Uhr nach St. Jean und zum Glück half mir ein deutscher Pilger bei dem Ticket ziehen. Die Fahrt führte durchs grüne und sonnige Frankreich – ein guter Tag zum pilgern! Angekommen liefen mehrere dem Ersten hinterher … das war ein Fehler, denn irgendwann dachte ich: ich bin doch schon auf dem Weg?? Dabei wollte ich doch noch ins Pilgerbüro um mir erste Infos und einen Stempel abzuholen. Also wieder zurück und zum Pilgerbüro. Aber dann war es endlich soweit: Auf nach Santiago!! Hier der Beweis, wie ich durchs spanische Tor laufe (also eigt. das zweite Mal) 😉


Dann ging es viel bergauf und nach 30 min war ich schon wohl etwas am schwitzen… aber gut, das wusste ich ja… vor uns kam dann eine etwas steilere Straße die sich schlängelte und es sah aus wie eine Ameisenstrasse – die Pilger vor mir sahen wie Ameisen aus die alle hintereinander liefen. Ich dachte nur, herrje, das wird steil… und war es auch und nach 500 m musste ich schon eine kleine Pause machen. Ich sagte zu meiner Kölner Begleiterin, sie könne ruhig weiterziehen und bräuchte keine Rücksicht auf mich zu nehmen. Und das war auch gut so, denn ich schnaufte ganz schön und ich musste etwas öfters eine mini Pause einlegen. Dann endlich hätte ich die Straße geschafft und war froh! Nur leider sah ich dann vor mir den nächsten noch steileren Anstieg und ich hatte nur noch wenig positive Gedanken… wie sollte ich das nur schaffen??? Schritt für schritt war die Antwort… man hätte mich auch mit einer Schnecke vergleichen können.. eine Schnecke die viel prustete… ich machte mittlerweile alle 100 m eine mini Pause zum verschnaufen.. Ich hätte mich eigtl auch zu den Kühen legen können die sich fein in der Sonne gesonnt haben.


Irgendwann kam dann endlich die Auberge Orrison, man bedenke es waren nur 8km, aber ich war echt wohl fertig! Hier wollte ich bleiben! Ich konnte eh nicht mehr… 

Man gab mir ein 6er Zimmer und weil ich die Erste war konnte ich mir auch ein Bett aussuchen! Bis zum Abendessen hätte ich noch lange Zeit und duschte erstmal, hab meine Wäsche gewaschen, habe noch ne Stunde geschlafen und habe mich ansgliessend in der Sonne etwas gesonnt! Gegen 18.30 Uhr gabs Abendessen, der Wein und das Wasser wurde ausreichend auf den Tischen verteilt und dann kam auch schon eine leckere Gemüsesuppe, danach Gemüse und sehr leckeres Hähnchen und zum Nachtisch leckeren warmen Kuchen! (Und mein 3 oder 4 Glas Wein) 😉 perfekt! Ich saß mit 6 deutschsprachigen Frauen zusammen und jede hatte was zu erzählen und wir lachten. Außerdem musste jeder (ca 30 Leute) sagen wie er heißt und woher er kommt! Einige Australier waren dabei und einige aus der USA, und natürlich noch Andere! Der Abend war sehr schön gewesen und ließ mich die Strapazen von vor wenigen Stunden fast vergessen. Um ca 21.30 Uhr ging es dann ins Bettchen.


Tag 3, Etappe 2, von Orrison nach Roncevalles (ca 19 km)

Vor meinem Weckerklingeln um 6.30 Uhr war ich schon wach und machte mich dran, meine Sachen zu packen und mich startklar zu machen. Der Ausblick aus unserem Zimmer war sehr vielversprechend.


Von 7 bis 7.30 gab es ein einfaches frühstück, welches mir aber vollkommen reichte!
Ich muss hier was gestehen…. ich habe doch tatsächlich meinen Rucksack hier zum Transport zur nächsten Herberge aufgegeben.. sowas hatte ich eigt echt nicht vor, aber für die Überquerung der Pyrenäen fand ich das Angebot zu verlockend.. und ich tat es und ich bereue es kein Stück!!! 😉


Also ging ich los um ca 7.45 Uhr und lief Spanien entgegen. Die Ausblicke waren einfach toll! Blauer Himmel, viel Sonne (über den Wolken) und alles war grün!

 Der Weg stieg natürlich auch an, aber nicht so steil wie am Vortag! Ich lief diesmal eher alleine, aber immer wieder kamen andere Pilger an mir vorbei oder ich überholte sie. Kurz nach dem Rolandbrunnen betrat ich spanisches Land.

Am höchsten Punkt angekommen (ca 1400m) konnte man sich für zwei Wege entscheiden – ich nahm den empfohlenen Umweg – der mir einen schönen Blick auf die Abtei gewährte, in der ich übernachten wollte.


Ich war schon relativ früh in Roncevalles angekommen, ca 12.30 Uhr, ohne Probleme, und konnte mir eines der ca. 170 Betten ergattern. Abends gab es das Pilgermenü, welches aber nicht sogut war in der Herberge zuvor. Danach bin ich noch in die Messe gegangen und hoffe somit einen Segen für die Nacht und für die nächsten Tage bekommen zu haben 😉


Auf geht’s, ein neuer Morgen kommt!

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7 Kommentare zu „Jetzt wird gepilgert…

  1. Hey Nina!

    Die Kuhfotos erinnern mich an meinen Urlaub in der Schweiz. Den Schmerz und die Anstrengung, wenns die Berge raufging, habe ich nicht vergessen. Deshalb kann ich mir gut vorstellen wie es dir ging als du aus der Puste warst. Aber der Blick von oben herunter entschädigt alles!

    Du bist sooooo weit weg. Genieß deine Zeit!

    Liebe Grüße aus der Heimat Rheine
    Moni

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  2. „Wer ein Ziel hat, nimmt auch schlechte Straßen in Kauf“

    Aber deine Fotos verraten mir, Nina, dass deine ersten 3 Tage sehr schön gewesen sein müssen.
    Passt gut auf dich auf.

    Kerstin

    Gefällt 1 Person

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