Quer durch Spanien – verrückt…!

Irgendwie bin ich ja schon verrückt… wie kann man sich nur vornehmen, 1x quer durch Spanien reisen – und dann auch zu zu Fuss – als Pilger! Aber: Spanien ist wirklich unglaublich schön – zwar sehr hügelig und bergig, aber schön! Also Berge kann ich eigentlich nicht mehr sehen – viel zu anstrengend! Im Mai / Juni ist halt fast alles grün und die Blumen blühen so schön! Es ist noch nicht zu heiss und auch nicht zu kalt! Perfekt! Nach meinem schönen Abend mit den vielen Sternen und den klappernden Störchen ging es am nächsten Tag Richtung Carrion de los Condes (ca. 26,4km). Der Tag fing früh an mit dem Pilgern – aber morgens habe ich einfach die schönsten Sonnenaufgänge. Und diese Ruhe! Das ist mit die schönste Zeit für mich auf dem Camino!

Vorbei an einem Kanal (erbaut im 18 Jh. und seinerzeit ein Meisterwerk der Baukunst, als Transportmittel geplant, dient heute der Bewässerung) und auch vorbei an einem Fluss – dies ist hier übrigens die bessere und schönere Wegvariante – zwar auch die etwas längere, aber diesmal habe ich den „Umweg“ nicht bereut.

Nach ein paar kleinen Pausen war ich dann gegen Mittag in Carrion de los Condes, wo ich in der Herberge des Klosters „Esiritu Santo“ unterkam. Hier gab es Einzelbetten (statt wie sonst Etagenbetten) und wirklich nette Nonnen/Schwestern.

Der nächste Tag hatte es in sich…. Abends vorher schaut man in seinen Pilgerführer / Pilgerbuch und überlegt, welche Strecke man zurück legen möchte am nächsten Tag. Im Buch sind die Strecken mit Kilometerangaben sehr gut beschrieben. Auch die Höhenmeter. Und ebenfalls die Wegebeschaffenheit. Und natürlich die Herbergen – mit jeweiligen Infos (wieviele Betten, mit WLAN oder ohne, wie teuer usw. – meistens stimmten die Angaben auch). Und so studiert man einen Tag vorher welchen Weg man einschlagen könnte – auch was der Tag danach mit sich bringt. Es macht halt wenig Sinn, einen 30 km Marsch zu machen und am Ende der Etappe wartet ein riesiger Berg auf einen. So bespricht man und diktiert mit anderen, mittlerweile, Camino-Freunden, wohin man eventuell laufen/pilgern möchte. Mein / unser nächstes Ziel sollte Terradillos de los Templarios (ca.28,1 km). Und die erste Etappe sollte 18 km an einem Stück sein – also ohne Café/Bar/Ort als Zwischenstopp. Das heißt natürlich, das man sich was zu Essen und zutrinken für die nächsten 2-3 Stunden mitnehmen muss. Wir starteten schon recht früh, ich glaube so 5.30 Uhr, weil der Tag sehr warm werden sollte. Den Sonnenaufgang habe ich morgens immer im Rücken.IMG_4320Mit etwas Proviant im Gepäck ging es los, 18 km am morgen in einem Stück können lang werden… aber genau auf der Hälfte der Strecke kam eine mobile Bar – hier konnten wir  eine kleine erste Pause einlegen. Diese kam mir sehr gelegen. An jedem Baum war dieses Schild angeschlagen… 🙂IMG_4323Wir befinden uns nämlich nun in der Meseta (eine kleine Erklärung: Die Meseta (von spanisch la mesa = der Tisch) wird das im Zentrum der iberischen Halbinsel gelegene über 200.000 km² große kastilische Hochland in Spanien bezeichnet. Die Nordmeseta liegt etwa auf 650 bis 900 Meter Höhe. Den Pilger erwartet jetzt etwa 10 Tage Hitze, Staub, Trockenheit und Eintönigkeit, trotzdem ist die Meseta faszinierend)

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Gegen 13/14 Uhr kamen wir in Terradillos de los Templarios an und konnten noch ein Bett in der netten Herberge Jaques de Molay ergattern. Da das Dorf nicht so groß war, habe ich den Nachmittag in dem kleinen Herbergsgarten genossen – nachdem ich meine Wäsche gewaschen hatte. Hier gab es auch sehr leckere Tapas! Abends haben wir auch gut in der Herberge gegessen und den Abend in dem gemütlichen Garten ausklingen lassen. In dem Garten befanden sich einige Kräuter und ein großer Rosmarin Baum, hiervon nahm ich einen Zweig mit – falls wir mal essen kochen wollten….

Und wiedermal ging es früh los am nächsten Tag – aber kein Problem für mich, ich bin ja eh eher der Frühaufsteher. Mein Ziel heute sollte Calzadilla de los Hermanillos werden – nur 20 km. Aber dafür auf der empfohlenen Nebenstrecke – schön durch die harte Meseta. Das letzte Stück, die letzte Etappe an diesem Tag, war 9,2 km lang. Und nur ein Brunnen quasi am Ende der Etappe. Es war so warm, so wenig Schatten, sodass ich alles an Kleidung, was ich ausziehen konnte ohne nackt dazustehen, ausziehen musste. Und es war kein Mensch weit und breit. Die empfohlene Strecke fanden wohl nicht wirklich viele Pilger interessant… irgendwann, wir konnten nicht mehr, fanden wir ein schattiges Plätzchen und machten erstmal eine große Pause. Das tat gut. Aufeinmal kamen zwei amerikanische Pilger – sie freuten sich uns zu sehen, denn auch sie sahen weit und breit niemanden und hatten sich schon gefragt, ob sie sich verlaufen hätten. IMG_4344

Völlig erschöpft und verschwitzt kamen wir nachmittags in Calzadilla de los Hermanillos an und gönnten uns eine „gute“ Herberge. 15 Euro das Bett – dafür mit einer guten eigenen Decke (statt immer nur den Schlafsack) und sogar ein frisches Handtuch (statt des Mikrofaserhandtuch) und ein richtig gutes und gemütliches Bett. Hatten wir uns auch verdient! Herrlich. Nach dem duschen gingen wir in den mini Ort, wo es wirklich nicht viel gab. Aber eine nette Bar hatte geöffnet – und der Rotwein (vino tinto) schmeckte einfach gut… zu gut. Wir kamen mit der Köchin und ihrer Mutter ins Gespräch – beide aus  Rumänien. Sie sprachen kein englisch – dennoch haben wir uns irgendwie verstanden – das war sehr lustig gewesen. Ich konnte den beiden ein paar Fotos aus ihrer Heimat zeigen, weil ich ja im Dezember 2016 in Rumänien war für den Weihnachtspäckchenkonvoi.

Eigentlich wollten wir gerne dort essen, es war nämlich ein sehr gutes Restaurant, aber die Küche öffnete erst um 21 Uhr – und unsere Herberge schloss um 22 Uhr. Das war natürlich sehr schade – somit hatten wir ein Pilgermenü in unserer Herberge – und es war nicht sogut… Den Abend ließen wir dann in unsere Herberge im Garten ausklingen und lernten noch eine amerikanische Pilgerin kennen, die die Asche ihres Ehemannes im Rucksack bei sich hatte.

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Nächster Morgen – eine sehr harte Strecke liegt vor uns. Aber das diese Strecke soooo hart werden würde, hätte ich nicht gedacht…. 😦 Ich habe nicht viele Fotos gemacht – weil es einfach heiß war und es sehr wenig zu fotografieren gab. Pure Meseta. Es war fast die ganze Zeit eben, aber richtig steinig, was es wirklich anstrengend machte. Im Buch wird darauf hingewiesen, dass es hier wenig Wasser und Schatten gibt. Eher für sportliche Pilger; denn die erste Etappe ist wieder direkt 18,5 km.

IMG_4370Die Stecke heißt Calzada Romana. Der ursprüngliche Jakobsweg. Es gibt eine (lt Buch nicht empfohlene) Wegalternative, die etwas kürzer ist und z.T. künstlich angelegt worden ist. Im Nachhinein empfehle ich die andere Strecke zu laufen! Nie wieder die Calzada Romana! Meine Füße brannten richtig – das kam halt von den vielen verschieden Steinen. Aber Blasen an den Füßen hatte ich dennoch, zum Glück, nicht! Aber auch der Weg war irgendwann zuende. Ich hatte viel Zeit für mich, war aber froh, als der Weg mich nach Leon brachte. Wo ich mit Camino-Freunden den Nachmittag mit einwenig Sightseeing und schön essen gehen verbrachte.

Navarra und Rioja liegen hinter mir. Ich befinde mich nun in Kastilien und werde dann nun Richtung Galizien pilgern. Wo dann ab Sarria die letzten magischen 100 km beginnen…. ich bin gespannt… Komme ich tatsächlich in Santiago de Compostela an??

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2 Kommentare zu „Quer durch Spanien – verrückt…!

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