Hallo Santiago!

Es kribbelt – in den Füßen! Ich bin schon wirklich nahe an meinem Ziel – Santiago de Compostela! Heute morgen ging es aus der nicht so schönen Stadt Ponferrada nach Pereje (über Villafranca del Piezo) und dann endlich nach  O Cebreiro. Das wird ein hartes Stück – für mich – werden! Denn hier geht es auf einem kurzen Stück ziemlich steil bergauf. Auch wenn ich mittlerweile das Wandern im Blut habe und der schwere Rucksack auf meinem Rücken keine Probleme bereitet, ist es doch sehr anstrengend für mich, bergauf zu gehen. Da bin ich wirklich lahm unterwegs – aber gut… irgendwann bin ich dann auch mal oben angekommen und kann die schönen Aussichten hier in Spanien genießen! Ich überspringe nun mal eben ein paar Orte, durch die ich aber gelaufen bin. In Pereje, ein mini Ort, habe ich sehr gut geschlafen und habe mich sehr gut erholt und gestärkt für den steilen Anstieg am nächsten Tag. Hier ein Bild von meinem Zimmer in Pereje (rustikale Gemeindeherberge): IMG_4494Ich bin übrigens nicht den „camino duro“ gelaufen! Sorry, aber da hatte ich nun wirklich keine Lust drauf! .. die letzte tolle Empfehlung im gelben outdoor Führer war schon schlimm genug gewesen! Ich will ja hier keine Höchstleistung abliefern! Und so habe ich mich für die schöne Nebenroute entschieden! Denn wenn man den „duro“ geschafft hat, muss man ja wenig später wieder extrem bergauf nach O Cebreiro laufen! Also irgendwann ist auch mal gut gewesen, oder? 🙂 Naja, egal, ich bin durch ein paar wirklich nette und verschlafene Dörfer gelaufen. Im Örtchen La Faba habe ich eine kleine Rast gemacht, sowie die Katze.

In La Faba sah ich ein paar „Pilger“ auf Pferden sitzen, sie hörten einem „Pferde-Pilger-Führer“ zu … und genau diese Truppe überholte mich später beim steilen Anstieg … ich wusste gar nicht was ich denken soll…. war es schlau von denen sich per Pferd hochbringen zu lassen? Oder waren sie einfach nur faul? Oder wollten sie einfach mal anders pilgern? In dem Moment, wo ich auf dem schmalen, steinigen Weg Platz machen musste für diese Pferdetruppe, war ich ziemlich genervt davon. Aber irgendwann war auch ich endlich mal oben angekommen gegen 12.30 Uhr und wurde erstmal mit einem Bierchen begrüßt! Okay, hätte ich das vorher gewusst, hätte ich nicht soviel geflucht beim laufen. Oh, und ganz vergessen: ich bin nun auch in Galizien!

Wie man auf den Bildern sieht, ist das Wetter fantastisch und der Blick einfach grandios! Nach dem Bierchen ging es in die öffentliche Herberge. Nach dem duschen und Kleidung waschen schauten wir uns einwenig den Ort an – das hat allerdings ca. 10 Minuten gedauert. Es ist also sehr überschaubar hier. Sehr viele Touristen kommen per Bus hier hinauf. Es gibt natürlich eine (schöne) Kirche und ein paar Souvenir-Läden. Und auch mindestens eine (schöne) Bar.

Bildschirmfoto 2017-07-14 um 12.06.47

Schuhe mit Aussicht!Dort saßen wir anfangs zu dritt… später mit 15 anderen Pilgern. Das war ein richtig schöner Abend! … und der nächste Morgen …. tja… am nächsten Morgen musste ich etwas leiden… aber nun gut… wer feiern kann, kann auch pilgern… oder? 🙂

IMG_4512Die nächste Nacht sollte in Triacasetla sein,  (Albergue a Horta de Abel). Es ging natürlich anfangs bergab und insgesamt verflog der Tag so schnell. Durch soviele kleine verschlafene Dörfer sind wir gepilgert. Die Herberge „a Horta de Abel“ war richtig nett und abends in der Bar gab es gutes Essen. Da ich die meiste Zeit (versuche) englisch zu sprechen, denken deutsche – mir fremde Pilger- meist ich würde kein deutsch verstehen. In Triacastela waren auf einmal viel mehr Menschen unterwegs und in der Bar waren viele deutsche Pilger/Touristen um mich herum. Einige, mit denen ich dann am Abend (zufällig) sprach, waren erst verdutzt, weil sie meinten, ich wäre Amerikanerin oder Ähnliches… das ist dann lustig, deren leicht gerötetes Gesicht zu sehen wenn man deutsch spricht (und vielleicht vorher was gehört hat, was nicht für meine Ohren bestimmt war)… Nach einer guten Nacht ging immer weiter Richtung Ziel. Aber erst durch Sarria. Das ist die magische 100 km Grenze. Es genügt lediglich ab hier die letzten 100 km zu laufen, 2 Stempel pro Tag, um die „Compostella“ zu bekommen. Und ja, leider, aber hier laufen wirklich viele „Touristen“.

in SarriaMan warnte mich schon vorher. Ich glaubte es nicht. Aber es ist nicht schön. Ok, jeder darf seinen eigenen Weg gehen. Absolut! Aber was ab Sarria ist, ist nicht so schön. Die Wege werden schmutziger, überall liegen Plastikflaschen und Taschentücher. Die Bars sind total überfüllt. Die Touristen laufen 5 km, holen sich Stempel Nummer 1 und werden dann per Bus zur nächsten Bar gefahren, wo es Stempel Nummer 2 gibt. Vorher hat man jedem Pilger „Buen Camino“ gewünscht… jetzt muss ich es quasi jede Minute sagen. Und dann die Mini Rucksäcke. Deren Koffer werden von Herberge zu Herberge gebracht. NEIN, das macht wirklich keinen Spaß! Mein Plan: ganz früh morgens los, denn die Touristen laufen erst ab 9 Uhr. Ruhe habe ich dann in der privaten Herberge in Ferreiros gefunden.

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Am nächsten Morgen ging es dann wirklich früh los, um dem Touristen-Ansturm zumindest einwenig zu entkommen. Wir hatten gutes Wetter, der Jakobsweg war auch schön, und somit war ich gegen frühen Nachmittag und ca. 35 km nach Palas de Rei gepilgert- ohne Probleme! Hier habe ich in der privaten und neueren Herberge „San Marcos“ geschlafen, die auch eine gut ausgestattete Küche hatte. Nach einer erholsamen Nacht in einem 6er Zimmer, ging es weiter. Das Wetter spielte mit und somit konnte ich den Weg durch die Weinregion richtig genießen. (ok, das Bild hat natürlich nichts mit Wein zutun..) 🙂Buen CaminoEinfach schön hier! Auf diesem Stück fallen einem besonders die EukalyptusBäume auf!  Es gibt immer was zu sehen, und sei es alte/schöne Häuser, tolle Ausblicke, die Natur & Landschaft & Tiere, hin- und wieder trifft man bekannte Pilger und plauscht über dies und das. Nach 30 km war ich dann in Arzua – und die private Herberge „Camino dos Ocas“ war etwas versteckt. Aber hier hatte ich ein Doppelzimmer – fantastisch! Hier war sehr wenig los, weil diese Herberge etwas entfernt und nicht so einsichtig vom Jakobsweg ist. In dem netten Garten konnte ich mich schön entspannen!IMG_4583Und ab nun laufe ich die letzten Kilometer – zu meinem Ziel: Santiago! Es ist so nah! So lange habe ich mich vorbereitet! Und nun ist der Moment da! Es ist toll! Aber es ist gleichzeitig auch komisch! Schwupps ist man kurz vorm Ziel! AAAHHH!!!! Und dann? Naja, erstmal lief ich „meine“ letzten Kilometer. Ich hab tatsächlich kurz vor Santiago noch eine Nacht in einer kirchlichen Herberge übernachtet. Somit lief ich dann morgens um 8 Uhr, als die Glocken geläutet haben, in Santiago bei der berühmten Kathedrale ein. Was für ein bewegendes Gefühl! Glücklich! Geschafft! Und doch auch traurig! Traurig, dass nun alles vorbei ist! die letzten Meter zur Kathedrale in SantiagoICH HABS GESCHAFFT! Wer hätte es gedacht? Wer hätte gedacht, dass ich es ohne Probleme, ohne Verlaufen, ohne Blasen an den Füßen, und und und einfach so schaffe!??!?! Ich bin glücklich! An dieser Stelle ein riesen Dank an Shane! Das ist / war mein australischer Begleiter die letzten drei Wochen. Wir habe uns einfach gut ergänzt und unterstützt! WIR SIND DA! Ach bin ich froh und glücklich!

Ich gehe jetzt erstmal in Santiago feiern! Und gut essen! Und vielleicht etwas ausschlafen! Im nächsten Blog schreibe ich noch über Finisterre und Muxia! Und meine Etappenübersicht!

Meine Compostela

Mein Pilgerausweis
Mein Pilgerausweis mit den verschiedensten. Stempeln. Ich habe extra nicht überall mir einen Stempel abgeholt, damit ich nur einen Pass benötige! Ich bin wohl etwas stolz auf das Ergebnis! Ich liebe ihn!

ninawandertlos_logo

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7 Kommentare zu „Hallo Santiago!

  1. Herzlichen Glückwunsch! Ich finde es nicht schlimm, dass du nicht den „camino duro“ gelaufen bist. Viele Pilger verwechseln den Jakobsweg mit einem Marathonlauf. Für mich das Pilgern nichts mit unserem Leistungsgedanken zu tun. Super, dass du es geschafft hast. Alles Gute, schrittWeise

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  2. Klasse, ich gratuliere Dir👍👍👍! Es ist bestimmt ein komisches Gefühl jetzt wo Du am Ziel angekommen bist. Das ist jetzt zwar von der Kilometerzahl vergleichbar aber als ich vor gut einem Jahr Köln umrundet hatte und ein paar Meter vor dem Ziel war da war ich echt traurig das es vorbei war. Eigentlich Schwachsinn da ich den Kölnpfad jederzeit wieder gehen könnte.
    LG aus Köln sendet dir Nina

    Gefällt 1 Person

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